Geschlecht und Gesundheit im Jugendalter: Die Konstruktion by Petra Kolip PDF

By Petra Kolip

ISBN-10: 3322996735

ISBN-13: 9783322996732

ISBN-10: 3810019321

ISBN-13: 9783810019325

Das soziale Geschlecht ist eine Strukturkategorie, die die gesellschaftlichen Verhaltnisse grundlegend bestimmt und weitreichende Konsequenzen fUr indi viduelles Erleben und Verhalten hat. Diese Erkenntnis geh6rt mittlerweile zum Allgemeingut sozialwissenschaftlichen Denkens, auch wenn es in die einzelnen Disziplinen mit unterschiedlichem Gewicht eingeht. Umso er staunlicher ist es, daB der Mainstream der Gesundheitsforschung bislang noch weitgehend unberiihrt von Diskussionen, Konzepten und Ergebnissen der Frauenforschung ist, und dies, obwohl Frauengesundheitsforscherinnen in den vergangenen 15 lahren auf die Bedeutung des Geschlechts als analytischer Kategorie mehr als deutlich hingewiesen haben: "AIle Statistiken zeigen, daB es - in vergleichbaren Altersklassen - keinen zweiten Faktor gibt, der die Morbiditats- und Mortalitatsraten so deutlich beeinfluBt wie der Faktor, Ge schlecht'" (Franke, 1989, S. 8). Wahrend beispielsweise in der Soziologie und Piidagogik Erkenntnisse und Theorien der Frauenforschung ihre randstandige place verlassen haben und in den jeweiligen Disziplinen breiter diskutiert werden, kennzeichnet die Gesundheitswissenschaften eine Rezeptionssperre gegentiber feministischen Theorieansatzen. Die feministische Kritik an der Gesundheitsforschung unterscheidet sich nicht von der seit langem in den Human- und Gesellschaftswissenschaften getibten: Der Androzentrismus in Theorie und Empirie spiegelt sich u. a. in der Ausblendung des Geschlechter verhaltnisses in theoretischen Konzeptionen, in der Vernachlassigung ge schlechtsspezifischer Themen und Fragestellungen, in einer biologistisch reduktionistischen Erklarung von Geschlechtsunterschieden sowie in der unzulassigen Verallgemeinerung von Ergebnissen, die in Untersuchungen mit mannlichen Studienteilnehmem gewonnen wurden. So werden quick aIle groBen nine klinischen und Beobachtungsstudien mit ausschlieBIich mannlichen Probanden durchgefiihrt (anschaulichstes Beispiel ist die MRFlT-Studie [Multiple hazard issue Intervention Trial; Neaton et aI.

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B. durch die Eltern kann kein zuverlassiges Bild tiber die gesundheitliche Lage liefem. Die Ergebnisse aus Fremdbefragungen 35 unterschatzen moglicherweise Geschlechtsunterschiede, da mannliche Jugendliche eher geneigt sind, mit dem Vater oder der Mutter iiber gesundheitliche Probleme zu sprechen. 3 Symptomwahmehmung und Krankheitsverhalten Ein weiterer Erklarungsansatz tragt dem geschlechtsspezitischen Umgang mit Symptomen und einem unterschiedlichen Verhalten im Krankheitsfall Rechnung. Frauen und Manner, Madchen und Jungen unterscheiden sich danach in der Wahmehmung und Bewertung von Symptomen, in der Bereitschaft, iiber wahrgenommene Anzeichen mit Freunden und Partnem zu sprechen und in der Fahigkeit, korperliche Symptome iiberhaupt zu verbalisieren (Verbrugge, 1979).

Geschlechtslosigkeit oder echte Androgynie ist als klassifikatorische Alternative undenkbar: Es wird nie vergessen oder sozial irrelevant, ob jemand Mann oder Frau ist, und Situationen, in denen niemand mehr weiB, wer Mann und wer Frau ist, sind nur temporar, zur Kamevalszeit gestattet. (Tyrell, 1986, S. 461) Dieses System der Zweigeschlechtlichkeit erscheint in Laientheorien eindeutig: Jemand "ist" entweder mannlich oder weiblich. Diese Annahme ist jedoch weder biologisch abgesichert (siehe Kap.

Bei Befragungen bleibt grundsatzlich die Frage offen, ob Madchen und Frauen Beschwerden anders/friiher wahrnehmen oder ob es ihnen "nur" leichter fallt als Jungen und Mannern, gegentiber anderen tiber korperliche Symptome und Beschwerden zu sprechen. Dieser Faktor verweist auf geschlechtsspezifische Symptomwahrnehmung und unterschiedliches Krank50 heitsverhalten. Geschlechtsspezifische Erfahrungen mit dem Gesundheitswe sen sind dort relevant, wo weibliche und mannliche Jugendliche iirztliche Hilfe in Anspruch nehmen, also relativ spat im KrankheitsprozeB.

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Geschlecht und Gesundheit im Jugendalter: Die Konstruktion von Geschlechtlichkeit über somatische Kulturen by Petra Kolip


by Donald
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